Klar war bis vor Kurzem nur das Datum: Am 29. März 2019 läuft die Frist für eine Verhandlungslösung ab, sollten die EU und Großbritannien sich nicht auf eine Verschiebung einigen. Wenn der Brexit kommt, scheidet Großbritannien komplett aus der EU aus. Was ändert sich dann rund um mein Geld? Wir haben die Antworten.

1. Ich will nach London fliegen. Wird mein Urlaub in Großbritannien jetzt teurer?

Im Gegenteil. Bereits heute ist ein Urlaub in Großbritannien so günstig wie lange nicht mehr. Der Pfundkurs ist massiv eingebrochen. Seit dem Brexit-Votum ging der Wert kontinuierlich nach unten. Aktuell notiert das Pfund bei etwa 1,15 Euro. Experten gehen davon aus, dass das Pfund bei einem harten Brexit aus der Europäischen Union noch einmal deutlich an Wert verliert.

Ändern werden sich auch die Zollfreimengen. Nach dem Brexit gelten ziemlich sicher die Richtlinien für Nicht-EU-Reisende. Die erlaubte Freimenge reduziert sich dadurch deutlich auf einen Liter Alkohol, vier Liter Wein, 200 Zigaretten und insgesamt Waren im Wert von 390 Pfund. Kaufen Sie in London für mehr Geld ein, müssen Sie dies bei Ihrer Rückreise nach Deutschland verzollen.

2. Ich muss meine Ferienunterkunft buchen und Geld nach Großbritannien überweisen. Gibt es da Änderungen?

Wie bisher nutzen Sie für Auslandsüberweisungen nach Großbritannien die IBAN und die BIC. Verhandelt wird momentan noch darüber, ob Großbritannien nach dem Brexit weiterhin Teil des SEPA-Raums sein wird.

Absehbar ist, dass es teurer wird: Denn die EU-Preisverordnung wird vermutlich nach dem Austritt nicht mehr für Euro-Überweisungen nach Großbritannien gelten. Überweisungen in Pfund können Sie natürlich auch weiter vornehmen.

3. Was muss ich beachten, wenn ich zukünftig im Internet etwas bestelle, das aus Großbritannien kommt?

Es ändern sich vor allem zwei Dinge: Die Bedingungen für die Einfuhr und der Datenschutz. Viele Internetplattformen bieten heute Waren aus dem EU-Ausland an, auch aus Großbritannien. Nach dem Brexit ist Großbritannien dann aber nicht mehr EU-Ausland, sondern Drittstaat.

Das bedeutet: Es gibt neue Regeln für Umsatzsteuer, Einfuhrkosten und Zölle. Wie genau sich das auswirkt, darüber informieren Sie die Online-Anbieter bei den einzelnen Angeboten. Wir empfehlen Ihnen, das Kleingedruckte noch sorgfältiger zu lesen als ohnehin schon.

Auch die europäischen Datenschutzregeln gelten dann nicht mehr für Anbieter aus Großbritannien. Wer besonders datensparsam bezahlen möchte, sollte deshalb Zahlverfahren der deutschen Kreditwirtschaft nutzen – zum Beispiel paydirekt, das auf vielen deutschen Plattformen verfügbar ist.

4. Ich habe Gespartes bei einer britischen Bank. Ist das nach einem harten Brexit nicht mehr geschützt?

Doch. Innerhalb der Europäischen Union gelten einheitliche Regeln – danach sind Einlagen bis 100.000 Euro pro Person pro Bank gesetzlich geschützt. In Großbritannien gilt schon bisher ein entsprechender Wert von 85.000 britischen Pfund. Nach dem Brexit bleibt es bei diesem Wert. Einzige Voraussetzung: Die Bank oder Niederlassung muss in Großbritannien (weiterhin) zugelassen sein. Die zuständige Sicherungseinrichtung ist der Financial Services Compensation Scheme.

5. Ich habe einen Fonds mit Anteilen an britischen Unternehmen. Was passiert jetzt damit?

Der Fonds besteht weiter. Es kann aber zu Wertschwankungen kommen, etwa durch Währungsschwankungen oder weil die britische Wirtschaft schwächer oder stärker wird. Damit kann sich der Wert des Fonds verändern – wie bei anderen Marktentwicklungen auch.

Sich in der privaten Vermögensanlage auf eines der Szenarien des Brexit auszurichten, wäre reines Glücksspiel. Sicherlich würde ein harter Brexit für eine Reihe von Monaten die europäischen Aktien und Rentenmärkte deutlich beeinträchtigen. Da Großbritannien jedoch nur einen Anteil von zwei Prozent zur globalen Wirtschaftsleistung beisteuert, bleiben die Dinge im größten Teil der Welt so, wie sie bisher waren. Und damit ist der Brexit für eine diversifizierte, auf lange Sicht ausgerichtete Vermögensanlage nichts, mit dem Sie spekulieren sollten.