Die Ruhrfestspiele Recklinghausen sind das älteste und zugleich eines der größten und renommiertesten Theaterfestivals Europas. Das Festival zieht nicht nur Menschen aus Recklinghausen oder aus dem Vest an, sondern ist Anlaufpunkt  weit über die Grenzen des Vestes hinaus. Es ist ein kulturelles Ereignis des Ruhrgebietes, das seine Ursprünge in der Nachkriegszeit hat und seit 1965 im eigens dafür erbauten Ruhrfestspielhaus auf dem „grünen Hügel“ in Recklinghausen stattfindet.

An dieser Stelle geben wir Ihnen einen Einblick in die einzelnen Uraufführungen. Lassen Sie sich inspirieren und tauchen Sie ein in die moderne Welt des Theaters. Wir wünschen Ihnen viel Spaß!
 

Der letzte Cowboy (Solitary Man)

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Joachim Ostenkötters Tragödie beginnt wohl schon damit, dass er nicht im Death Valley geboren wird, sondern in Gütersloh. Als Sohn eines Party-Indianers, der sich bereits vor seiner Geburt aus dem Staub macht. Er lernt im Schützenverein schießen, als Fleischerlehrling töten, im Country-Park reiten, ja sogar einige, wenngleich eher unglückliche Todesfälle pflastern seinen Weg. Es hilft alles nichts – Härte, Coolness und Männlichkeit eines echten Cowboys wollen sich einfach nicht einstellen.

Inspiriert ist Fink Kleidheus musikalische Tragikomödie von den zwei titelgebenden Songs Solitary Man von Neil Diamond/Johnny Cash und Der letzte Cowboy von Bernhard Lassahn und Bestseller-Autor Thommie Bayer.

Vorstellungen:

  • 21. Mai 2016 um 19.00 Uhr / 22. Mai 2016 um 18.00 Uhr / 23. Mai 2016 um 20.00 Uhr 
  • Halle König Ludwig 1/2, Alte Grenzstr. 153, 45663 Recklinghausen

 

Chapters

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Maja lebt auf der Straße. Wird beschimpft, beleidigt, gedemütigt. Hat sich auf einem blauen Sofa eingerichtet, das zwischen zwei Altpapiercontainern steht. Von dort beobachtet sie die Welt. Lebt vom Müll, den sie findet. Oder Dingen, die andere Menschen ihr geben. Einst führte Maja ein abgesichertes, gutbürgerliches Leben. Bis sie einen Mann erschoss, mit dem sie eine Verabredung hatte. Mit einer radikalen Geste hat sie ihr bisheriges Leben beendet, um neu zu starten. In die Freiheit?

Bettina Erasmy schildert die Gegenwart ihrer Heldin in kurzen Momentaufnahmen und enthüllt zwischendurch die Vorgeschichte – lakonisch, aber in großen Bildern, die an amerikanische Roadmovies erinnern. 

Vorstellungen:

  • 27. Mai 2016 um 20.00 Uhr / 28. Mai 2016 um 19.00 Uhr / 29. Mai 2016 um 18.00 Uhr
  • Halle König Ludwig 1/2, Alte Grenzstr. 153, 45663 Recklinghausen

 

Paradies Fluten 

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Wie anders sollte man das Ende der Welt besetzen als mit einem ertrinkenden Tanzensemble, einem erschöpften Symphonie­orchester, zwei Überlebenden in Klimakapseln und einer durchschnittlichen weißen mitteleuropäischen Familie? Sprachgewaltig und im Pathos gebrochen durch komische Melancholie, schlägt „paradies fluten“ einen allegorischen Bogen von den ersten Phasen der Globalisierung bis ins Heute.

Thomas Köck (*1986) hat in den letzten Jahren fulminant Karriere gemacht. Zu seinen Stipendien und Auszeichnungen kommt jüngst der Kleinstförderpreis 2016 hinzu. In guter Tradition wird das Preisträgerstück in Recklinghausen zur Uraufführung kommen.

 Vorstellungen:

  • 2. Juni 2016 um 20.00 Uhr / 3. Juni 2016 um 20.00 Uhr / 4. Juni 2016 um 19.00 Uhr
  • Halle König Ludwig 1/2, Alte Grenzstr. 153, 45663 Recklinghausen

 

Die Simulanten

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Fünf Menschen in einem Raum. Kein Ausgang. Sie sind jung und immer auf der Suche nach dem maximalen Grad an Selbstoptimierung. Als Digital Natives sind ihnen Flexibilität und Mobilität in Fleisch und Blut übergegangen: Nähe und Verbindlichkeit sind Hindernisse. Keiner weiß, warum sie sich in diesem merkwürdigen Raum befinden. Sind sie Gefangene? Menschen in Therapie? Gemeinsam simulieren sie die „echten“ Gegenüber, die sie im realen Leben nicht mehr haben – und warum dann nicht auch gleich einen UN-Weltklimagipfel?

Autor und Regisseur Philippe Heule (*1986) studierte Schauspiel, Theaterregie und Szenisches Schreiben. In der Spielzeit 2015/16 ist er Hausautor am Theater Basel. „Die Simulanten“ ist die erste Koproduktion der Ruhrfestspiele mit dem Theater Dortmund.

Vorstellungen:

  • 7. Juni 2016 um 20.00 Uhr / 8. Juni 2016 um 20.00 Uhr / 9. Juni 2016 um 20.00 Uhr 
  • Halle König Ludwig 1/2, Alte Grenzstr. 153, 45663 Recklinghausen

 

Der nackte Felsen

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Marie war einst eine berühmte Alpinistin. Bis ihr Mann in den Anden ums Leben kam. Seitdem führt sie gemeinsam mit Assistent Wolf Menschen auf Bergtouren an ihre Grenzen: Menschen wie Joe, Vermögensberater auf Ritalin, arbeitslos, den seine Frau als letzte Chance vor dem Rausschmiss in Maries Obhut gegeben hat, Emmy und Hans, beide in eher temperierten Sinnlosigkeitskrisen gefangen, oder Caspar, der nach dem Tod seiner Frau seinen Lebenswillen verlor…

Thomas Arzt (*1983) schreibt Stücke, die um Figuren kreisen, die wiederum alle um sich selbst kreisen, weil sie nun Anfang/Mitte 30 sind, sich all die Möglichkeitslebens­gespinste langsam auflösen und sie die nackten Knochen eines halbwegs dahingepfuschten Lebens sehen.

Vorstellungen:

  • 12. Juni 2016 um 18.00 Uhr / 13. Juni 2016 um 20.00 Uhr / 14. Juni 2016 um 20.00 Uhr
  • Halle König Ludwig 1/2, Alte Grenzstr. 153, 45663 Recklinghausen

 

Apokalypse

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„Die Offenbarung des Johannes von Patmos“ ist die Folterkammer des Neuen Testaments. Nichts hat die Menschen des Abendlandes so in Angst und Schrecken versetzt wie dieses Buch – die detaillierte, sprachmächtig illuminierte Schilderung aller Grauen der Apokalypse. Für zwei dermaßen von Spiellust besessene Theatermacher wie Fritsch und Koch ist die Apokalypse grandioses Material. In ihr ist alles enthalten. Die Tragik, der Schrecken, die elementaren Ängste der Menschen. Aber auch deren bornierte und groteske Züge, die komische Seite des Wahns.

Früher war Herbert Fritsch ein Star in Castorfs Truppe. Nun inszeniert er selbst, wird regelmäßig zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen und überragende Protagonisten wie jetzt Wolfram Koch wollen immer wieder mit ihm arbeiten.

Vorstellungen:

  • 9. Juni 2016 um 20.00 Uhr / 10. Juni 2016 um 20.00 Uhr
  • Großes Haus im Ruhrfestspielhaus, Otto-Burrmeister-Allee 1, 45657 Recklinghausen

 

Die europäische Wildnis, eine Odyssee

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Homers „Odyssee“ ist der Inbegriff der Suche eines Menschen nach seiner Heimat: Jahrelang irrt Odysseus auf dem Meer herum, heimwärts gerichtet, ohne zu wissen, wo der Weg dorthin ist. Wo immer er ankommt, ist er ein Fremder, mal freundlich aufgenommen, mal gefährdet und verscheucht.

Sascha Hargesheimer überträgt die Motive des Zuflucht- und Heimatsuchenden in einen heutigen Kontext. Er skizziert eine Gesellschaft, die überfordert ist mit sich selbst, die jeden Halt zu verlieren droht. Was bei Homer das Meer ist, ist bei Hargesheimer das Leben selbst, in dem die Menschen einander irrlichternd an modernen Nicht-Orten begegnen: Flughäfen, Züge, Straßen. Hier ist keine Heimat zu finden, umso mehr gilt es, einen letzten Rest von Territorium zu verteidigen, Grenzen zu ziehen. 

Vorstellungen:

  • 11. Mai 2016 um 20.00 Uhr / 12. Mai 2016 um 20.00 Uhr / 13. Mai 2016 um 20.00 Uhr 
  • KLEINES THEATER im Ruhrfestspielhaus, Otto-Burrmeister-Allee 1, 45657 Recklinghausen

 

Die lebenden Toten

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Eine Zombie-Armee bewegt sich auf Europa zu, die Untoten treiben über das Mittelmeer. Eine Agentur zum Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union, genannt FRONTEX, rückt den Zombies mit Science-Fiction-artigen Waffen und Drohnen zu Leibe. Zwischen den Fronten irrt eine europäische Filmcrew herum und will eine abstruse Story über Vampire drehen. Doch wer will hier eigentlich wem das Blut aussaugen?

Christian Lollike, einer der wichtigsten europäischen Theaterautoren, schrieb „Die lebenden Toten“ 2014, als mit den Bildern der toten Flüchtlinge vor Lampedusa die europäischen Mechanismen der Verdrängung zusammenbrachen und das Mittelmeer zum symbolischen Ort gescheiterter europäischer Flüchtlingspolitik wurde.

Vorstellungen:

  • 24. Mai 2016 um 20.00 Uhr / 25. Mai 2016 um 20.00 Uhr 
  • KLEINES THEATER im Ruhrfestspielhaus, Otto-Burrmeister-Allee 1 45657 Recklinghausen

 

Prosperos Insel

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Prospero, ein Herzog, strandet mit seiner Tochter Miranda auf einer verzauberten Insel, von Geistern und Dämonen bewohnt. Einst Herrscher über das mächtige Herzogtum Mailand, gehorchen Prospero heute nur noch zwei Untertanen: der Luftgeist Ariel, den Prospero aus den Fängen der bösen Hexe Sycorax befreite, und deren halbverwilderter Sohn Caliban. Mit Ariels Hilfe entfesselt Prospero einen mächtigen Sturm, um die Mailänder Verräter, seine ehemaligen Mitstreiter, in seine Gewalt zu bringen. Und das Ziel? Inspiriert durch Frank Martins Meisterstück „Songs of Ariel“ lässt Bridget Breiner Prosperos Inselwelt mit Chor und Schlagwerk lebendig werden.

Vor vier Jahren übernahm Breiner die Direktion des Ballett im Revier Gelsenkirchen. Für ihre Choreographien „Ruß“ und „Charlotte Salomon. Der Tod und die Malerin“ wurde sie mit dem deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet.

Vorstellungen:

  • 4. Juni 2016 um 19.00 Uhr / 5. Juni 2016 um 18.00 Uhr / 6. Juni 2016 um 20.00 Uhr
  • Theater Marl, Am Theater 1, 45768 Marl

 

François & Claire

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„François & Claire“ ist der zweite Teil eines Zyklus’, der sich mit der Gedankenwelt von Franz von Assisi auseinandersetzt, mit dem für ihn zentralen Begriff der Demut und seinen Praktiken der Askese und der Meditation. François tritt dabei in einen Dialog mit Claire, der heiligen Klara von Assisi. Die Besucher erwartet kein Schauspiel mit Anfang und Ende, sondern zunächst ein offener, kontemplativer Raum, offen von Nachmittag bis Mitternacht, offen für den Übergang von Tag zu Nacht.

Jean Michel Bruyère hat sich als Regisseur einzigartiger Performances zwischen darstellender und bildender Kunst einen Namen gemacht. Für die Ruhrfestspiele schlägt er seine Zelte in der Vestlandhalle auf und verwandelt diese in einen Ort künstlerischer Meditation.

Vorstellungen:

  • 5. – 12. Juni 2016; die Installation beginnt jeweils um 16.00 Uhr und endet um 24.00 Uhr. 
  • Vestlandhalle, Kurt-Oster-Straße 2, 45659 Recklinghausen