Frauen verdienen in der Regel weniger als Männer. Das hat verschiedene Gründe, führt jedoch zum gleichen Ergebnis: Sie haben während des Berufslebens und auch in der Rente weniger Geld zur Verfügung – oft zu wenig zum Leben. Wir verraten Ihnen, warum Sie Gehaltsunterschiede frühzeitig ausgleichen sollten.

Gender Pay Gap – so viel weniger verdient die Frau

Wissen Sie, was Ihr Partner oder Mann verdient? Oder was Ihre männlichen Kollegen am Ende des Monats auf Ihr Konto überwiesen bekommen? Nein? Für die eigene Laune ist das möglicherweise zuträglich. Denn es kann durchaus frustrierend sein, zu erfahren, dass das eigene Gehalt hinter dem der Männer zurückbleibt. Glauben Sie nicht?

Betrachtet man die Gehälter von Mann und Frau mit gleicher Erfahrung, gleicher Tätigkeit und auf gleicher Karrierestufe, ergibt sich ein Lohnunterschied von durchschnittlich sechs Prozent – zugunsten des Mannes. Natürlich gibt es auch Jobs, bei denen Frauen mehr verdienen. Dies sind jedoch vor allem Jobs, in denen ohnehin nicht viel Geld gezahlt wird. Bei Akademikern hingegen ist der Unterschied besonders groß: Weibliche Absolventen verdienen rund 30 Prozent weniger als männliche.

Doch bleiben wir bei den durchschnittlich sechs Prozent. Das klingt erst mal nach nicht besonders viel. Über ein ganzes Berufsleben verteilt, entgeht Frauen jedoch eine Menge Geld – fürs Hier und Jetzt und für die Zukunft.

Ein Beispiel: Ein Mann verdient über 35 Jahre im Schnitt 3.500 Euro brutto im Monat, also 42.000 Euro im Jahr. Eine gleich qualifizierte Frau erhält für die gleiche Arbeit sechs Prozent weniger. Monatlich bekommt sie damit 210 Euro und jährlich 2.520 Euro weniger als ihr Kollege. Über 35 Jahre hinweg sind das 88.200 Euro. Und die fehlen sowohl akut als auch in der Rente. Denn wer weniger Geld verdient, zahlt auch weniger Geld in die Rentenkasse ein und hat weniger zur Verfügung, um privat für das Alter vorzusorgen. 

Dieser sogenannte bereinigte Gender Pay Gap zeigt lediglich den Unterschied zwischen Frauen und Männern auf, die in ähnlichen Positionen arbeiten. Die Erwerbsbiografien von Frauen sind jedoch in der Mehrheit nicht mit denen von Männern zu vergleichen.

Das hat ganz verschiedene Gründe: Frauen sind in der Regel diejenigen, die wegen des Nachwuchses zu Hause bleiben und sie kehren häufig nur noch in Teilzeit zurück, um Familie und Haushalt unter einen Hut zu bringen. Frauen sind zudem häufiger in Minijobs tätig als Männer. Viele Berufe, in denen vor allem Frauen tätig sind, werden außerdem schlechter bezahlt.

Ist Frau nicht selber schuld?

Okay, dann sollen sich Frauen doch einfach einen Job suchen, der besser bezahlt ist. Oder nach der Geburt des Kindes gleich wieder anfangen zu arbeiten. Lösung gefunden?

So einfach ist es leider nicht. Zum einen braucht es schließlich Menschen, die sogenannte „Frauenberufe“ ausüben. Zum anderen bestätigen Studien, dass sich das Lohnniveau eines Berufs ändert, wenn dort vermehrt Frauen einsteigen. Wird eine Männerdomäne immer weiblicher, sinkt dort das Lohnniveau. Nicht, weil dann auch die Männer weniger verdienen, sondern weil Frauen dort niedrigere Gehälter beziehen und sich das immens auf den Durchschnitt auswirkt. Die Arbeit von Frauen wird in der Regel geringer bewertet als die von Männern. Aus diesem Grund werden sie im Arbeitskontext anders behandelt. Und anders bezahlt.

Hinzu kommt, dass sich Frauen beim Thema Gehalt mitunter selber im Weg stehen. Wissenschaftler fanden heraus, dass sie sich oft mit weniger zufriedengeben als Männer. Sie verhandeln seltener, fragen weniger häufig nach einer Gehaltserhöhung und stellen den Spaß am Job an vorderste Stelle.

Ehrenhaft, aber nicht vernünftig. Denn auch wenn Frauen noch immer häufig strukturell benachteiligt sind: Durch gutes und regelmäßiges Verhandeln können Sie Gehaltsunterschiede (zumindest teilweise) ausgleichen.

Wie sich Ihr Gehalt auf die Rente auswirkt

Wir haben es bereits angedeutet: Wer weniger verdient, zahlt weniger in die gesetzliche Rente ein und hat weniger Geld, um zusätzlich privat vorzusorgen. Das bedeutet konkret: Die Altersrente von Frauen liegt im Schnitt um 53 Prozent niedriger als die von Männern. Sie machen sich dennoch keine Gedanken um Altersarmut? Gerade Frauen sind jedoch davon bedroht.

Zur Einordnung: Als arm gilt jemand, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung hat. Als Alleinstehende ist man demnach derzeit arm, wenn man weniger als 917 Euro netto im Monat verdient. Die Standardrente liegt momentan bei 1.441Euro (West), beziehungsweise 1.381Euro (Ost). Sie werden also nicht arm sein? Das kommt auf Ihre individuelle Rente an. Denn um im Alter die Standardrente zu erhalten, müssen Sie über 45 Jahre lang (in Vollzeit) gearbeitet und stets ein gewisses Durchschnittseinkommen verdient haben.

Jemand, der nach dem Studium anfängt zu arbeiten, später wegen der Kinder zu Hause bleibt und dann wieder in Teilzeit in den Beruf startet, wird diese Standardrente nicht bekommen. Genauso wenig wie jemand, der zwar 45 Jahre lang gearbeitet, aber nicht ausreichend verdient hat.

Im Schnitt erhalten Frauen, die in den alten Bundesländern leben, derzeit 622 Euro monatliche Rente. Frauen aus den neuen Bundesländern bekommen 928 Euro (Deutsche Rentenversicherung 2018).

Frühzeitig für ein gutes Gehalt kämpfen

Um für heute und morgen finanziell abgesichert zu sein, sollten Sie früh darauf achten, für ein gutes Gehalt einzustehen. Bei Frauen gilt in der Regel: Das Gehalt, das sie in ihren Dreißigern verdienen, ist das Maximum dessen, was sie erreichen werden. Denn gerade dann kommt es zu Auszeiten wegen eigener Kinder, die dazu führen, dass Frauen den Anschluss an ihre männlichen Kollegen verlieren.

Während sich diese weiterentwickeln und bis zu einem Alter von 50 noch immer finanzielle Sprünge machen, ist der Zug für Frauen dann meist abgefahren. Oft sinkt das Gehalt nach einem Wiedereinstieg in den Beruf sogar.

Also nicht abwarten und Tee trinken. Achten Sie bereits bei Ihrem ersten Job darauf, dass Sie ein faires Einstiegsgehalt bekommen. Informieren Sie sich über Gehälter in der Branche, fragen Sie Freunde und Bekannte und bewerten Sie realistisch Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten. Viele Frauen verkaufen sich unter Wert. Es ist deshalb wichtig, dass Sie Ihren eigenen genau kennen. Nur so legen Sie einen soliden Grundstein für weiteres Gehaltswachstum.

Danach heißt es: am Ball bleiben. Verhandeln Sie regelmäßig neu – am besten einmal im Jahr. Klingt viel? Ist es aber nicht. Denn mit jedem Jahr Berufserfahrung steigt Ihr Wert, und das sollte sich auch auf Ihrem Konto widerspiegeln.