Bei den Sparern in Deutschland vollzieht sich eine bedeutende Trendwende: Zum ersten Mal belegen Aktien und Co. Rang eins bei der Frage, welche Geldanlage in der Niedrigzinsphase am besten geeignet ist. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Vermögensbarometers 2019 des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV).

Jedes Jahr befragt der DSGV gemeinsam mit einem Marktforschungsinstitut die Deutschen zu ihrer finanziellen Situation und ihrem Spar- und Anlageverhalten.

Mit dem Vermögensbarometer veröffentlicht er Ergebnisse einer in ihrer differenzierten Aussagekraft einzigartigen Studie. Dafür hat das Meinungsforschungsinstitut Kantar Added Value im Frühjahr 2019 im Auftrag des DSGV insgesamt 5.806 Menschen in Deutschland befragt – erstmals sowohl telefonisch als auch online.

Das Vermögensbarometer zeigt, wie die Bundesbürger ihre aktuelle finanzielle Situation beurteilen, wie die Haushalte ihren Konsum gestalten und wie ihre Haltung zu Anlagemöglichkeiten jenseits des Sparbuchs aussieht. Zudem werden die Sparkultur der Verbraucher, ihre Einstellung zur Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihre Meinung zu den verschiedenen Modellen der Einlagensicherung erfasst.

Interesse an Wertpapieren steigt rapide

Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage belegen nun: Die Deutschen denken um. Mit 42 Prozent landen Aktien, Direktinvestitionen in Unternehmen und andere Wertpapiere auf Platz eins der interessantesten Anlagemöglichkeiten in der Niedrigzinsphase. Im Vorjahr belegte diese Kategorie mit 24 Prozent noch den dritten Platz.

Auf Platz zwei stehen mit 29 Prozent weiterhin Investment- und Immobilienfonds. Ihr Saldo hat sich gegenüber 2018 um drei Prozentpunkte verbessert.

Interesse an Immobilien als Geldanlage fast halbiert …

Dagegen ließ das Interesse an Immobilien in der Hitliste der bei Niedrigzinsen geeigneten Geldanlagen deutlich nach: Nachdem sie über Jahre Rang eins belegt hatten, nahm die Aufmerksamkeit der Deutschen jetzt um 14 Prozentpunkte ab.

Ihr Saldo liegt bei 17 Prozent, knapp halb so viel wie im Vorjahr. Damit rangieren sie nun auf dem dritten Platz.

… aber weiterhin steigendes Kaufinteresse

Dennoch ist der Kauf von Immobilien nach wie vor gefragt: Knapp ein Drittel (31 Prozent) der Menschen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren planen einen Erwerb.

  • In der Altersgruppe zwischen 20 und 29 ist es sogar jeder Zweite,
  • etwa jeder Dritte bei den 30- bis 39-Jährigen und
  • etwa jeder Fünfte bei den 40- bis 50-Jährigen.

Damit sind die Anteile in allen Altersgruppen seit 2017 kontinuierlich angestiegen.

Vorsicht ist wichtiger als Verzinsung – noch

Insgesamt sind die Deutschen beim Vermögensaufbau weiter vorsichtig: Sicherheit steht immer noch auf Platz eins der wichtigsten Anlagekriterien. Dar­auf entfallen aktuell immer noch 54 Prozent – das sind allerdings sechs Prozentpunkte weniger als im Vermögensbarometer 2018.

Auf Platz zwei und drei stehen wie im Vorjahr die Merkmale Verfügbarkeit und Flexibili­tät, mit jeweils 31 Prozent. Dagegen hat das Kriterium einer hohen Rendite im Vergleich zu 2018 um drei auf 30 Prozentpunkte zugelegt – und rangiert nun auf Platz vier.

Stadt – Land: Zufriedenheit mit finanzieller Lage variiert regional

Der Anteil der Menschen, die mit ihren Finanzen zufrieden sind, hat sich im Zeitraum von 15 Jahren mehr als verdoppelt: 43 Prozent geben derzeit an, (sehr) zufrieden zu sein. Weitere 29 Prozent rechnen obendrein mit einer Verbesserung.

Aber: Je nach Wohnlage beurteilen die Menschen ihre finan­zielle Situation verschieden. „Sehr gut“ oder „gut“ sagen 43 Prozent in der Innenstadt, 44 Prozent in der Vorstadt und ebenfalls 44 Prozent in stadtnahen ländli­chen Gegenden.

Ganz anders sieht dies bei der ländlichen Bevölkerung weitab der nächsten Stadt aus: Lediglich 31 Prozent der Befragten stufen ihre finanzielle Situation als (sehr) gut ein. Damit liegt dieser Anteil zwölf Prozentpunkte unter dem Durchschnitt.

Neuer Spitzenwert: Sparkassen weiter Vorreiter in Sachen Vertrauen

Bei der Frage nach dem Vertrauen in einzelne Kreditinstitute nehmen die Sparkassen unverändert den ersten Rang ein: 52 Prozent der Bevölkerung haben (sehr) großes Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Institute.

Dieser Anteil stieg gegenüber 2017 (42 Prozent) und 2018 (44 Prozent) sogar deutlich.

An zweiter Stelle stehen die Volks- und Raiffeisenbanken mit 44 Prozent, gefolgt von der Onlinebank ING mit 37 Prozent und der Deutschen Bank mit 19 Prozent.

Das ausführliche Vermögensbarometer finden Sie als PDF zum Download.